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Till Abele
Lenzweg 5
79312 Emmendingen

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Unsere Erde

Yeshua

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Josef, mein Vater auf Erden, war ein wundervoller Zimmermann, dessen ganze Kunst in großartigen Gebäuden zum Ausdruck kam. Durch zahlreiche kleinere und größere Unfälle ging er etwas gebeugt, seine Hände trugen Narben und sie waren rau wie die Berge in unserem Lande. Umso wertvoller war mir die wunderschöne Harfe, die er für mich in Jerusalem aus dem Holz einer Weide baute. Sie war nicht sehr groß, doch leicht und perfekt ausbalanciert lag sie an meiner Schulter. Bald spielte ich auf ihr und ihre feinen Töne erwärmten unser Haus. Wenn ich spielte, saß Josef in seinem Lehnstuhl und erfreute sich an meinem Spiel, während Maria leise vor sich hin summte.

Ach Maria, meine geliebte Mutter auf Erden! Sie war eine Mutter, wie man sie sich nicht besser wünschen konnte und sie war eine starke Frau. Auch wenn sie sich der dörflichen Gesellschaft anpasste, blieb sie immer eine Persönlichkeit. Sie sprach mit mir über Politik und von ihr lernte ich, alle Frauen gleich respektvoll zu behandeln. Sie konnte wie eine wilde Tigerin sein, immer auf der Hut, bereit, sich und ihre Familie zu verteidigen. Und immer einen Schritt jenen voraus, die sie der Einfachheit halber als weniger wert erachteten, nur weil sie eine Frau war.

Ich habe sie sehr vermisst, meine beiden Eltern, als der nächste Abschnitt meines Lebens begann. Dennoch blieb Maria immer Teil meines Lebens bis zu meinem Tode.

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Bevor ich damit begann, was ich als mein geistliches Amt bezeichnen möchte, wanderte ich in die Berge um Hermon, um darüber zu meditieren, wie mein Leben nun weiter gehen sollte. Aus all meinen Reisen und aus meiner eigenen Erfahrung wusste ich, dass Menschen nur zu gern ihre Persönlichkeit einem charismatischen Führer überlassen, nur um den Führer zu verehren, doch seine Botschaft zu ignorieren. Alles wollte ich dafür tun, um dies zu verhindern. Das Wissen darum war einer der Gründe, warum es von mir keine schriftlichen Überlieferungen gibt. Ab und zu kam es vor, dass ich etwas in den Sand schrieb, um meinen Worte mehr Nachdruck zu verleihen. Ähnlich verhielt es sich mit dem Gottesdienst, der niemals nur an einem Ort stattfinden sollte.

Ich wollte nie derjenige sein, der als Erlöser betrachtet wurde und es war nie meine Absicht, dass die Menschen meine Worte auch noch lesen sollten, um sie zu begreifen, nur um nicht selbst für sich verantwortlich zu sein. Es waren Wege, Möglichkeiten oder Hilfen, die ich geben wollte, keine Gesetze oder Richtlinien. Doch darin war ich leider nur teilweise erfolgreich.

Dass ich ohne Hilfe von Menschen, denen ich vertraute, nicht auskommen konnte, wusste ich. Ich stellte mir eine Art Struktur vor, die jedoch nicht einer Kirche gleichkommen sollte und es war auch nie meine Absicht, eine Kirche zu gründen. Auch wenn die Struktur, die ich mir vorstellte, der einer Kirche ähnlich war, sollte sie beweglich und voller Leben sein. Männer sollten es sein und Frauen, die meine Lehre weiter trugen, wenn ich nicht mehr unter ihnen sein sollte.

Lasst mich an dieser Stelle zu den Frauen sprechen, die diese Botschaft lesen: Ich kenne euer Leid, das ihr während der Jahrtausende durch die Übermacht der männlichen Energien ertragen musstet. Doch ich sage euch, dass auch die Männer leiden mussten. Ganz ohne Zweifel wurden eure Ansichten viel zu oft missachtet, doch das war nicht immer so beabsichtigt. Was mich betrifft, musste von der Zeit ausgehen, die ich für mein Kommen gewählt habe. Ich wollte das Gleichgewicht zwischen Erleuchtung und der Erhaltung aller Ressentiments ganz offensichtlich wieder herstellen. Es ging nicht darum, einfach nur sechs Frauen und sechs Männer als Apostel zu finden; ja, auch Frauen, auch wenn sie das zu dieser Zeit als sehr ungewöhnlich empfanden und manchmal auch beunruhigend. Die Befreiung aus alten Mustern ist nie ganz einfach und sie erfordert Ausdauer und Beständigkeit.

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Doch lasst mich euch sagen, meine Lieben Schwestern, dass es nur wenige Frauen waren, die sich um mich scharten und die mit uns reisten. Ich legte Wert darauf, dass sie in unserer Gemeinschaft die gleichen Rechte hatten wie die Männer. Auch sie durften meine Lehren weiter geben und verbreiten und auch sie hatten das Recht, all jene zu belehren, denen sie begegneten. Ich kann nicht deutlich genug sagen, wie wichtig Frauen für meine Aufgabe waren, allen voran Maria Magdalena. So begleiteten uns eine Reihe von Frauen, von denen ich zwölf auswählte, die nicht nur für die Kranken sorgen sollten, sondern auch in meinem Namen lehren durften. Maria Magdalena war ausersehen, ihre Führerin zu sein.

Drei von ihnen begleiteten mich auf meinem letzten Gang, als mich alle anderen verließen. Ein Teil meiner Arbeit hier auf der Erde war es ja, den Ausgleich von männlichen und weiblichen Kräften in den Menschen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Auch hier war ich nicht immer erfolgreich und die Auseinandersetzungen nahmen kein Ende.

Achtet auch bitte immer darauf, wie ich das Wort "Vater" gebrauche, nämlich ganz typisch für die Zeit, in der ich lebte und zieht auch in Betracht, dass das Wort "Vater" eine weitere Bedeutung haben kann als die, auf die es sich bezieht. "Die Mutter" ist die Empfangende, "Die, welche empfängt." Die eine kann ohne den anderen nicht auskommen, doch niemals ist eine oder einer höher einzustufen als die oder der andere. Auch das war ein Teil meiner Gedanken, während ich am Berg Hermon weilte obwohl ich eigentlich gelernt hatte, die Naturgesetze zu meistern, Kräfte, die latent in jedem von euch enthalten sind.

Für mich jedoch konnte ich die Kräfte nicht in Anspruch nehmen, weil ich ständig in der Sorge lebte, dass die Menschen in mir den Wunder-Wirker sehen würden und nicht ganz einfach einen von ihnen. Ihr wisst, dass mir das nicht immer gut genug gelungen ist.

Schließlich konnte ich mich während meiner Meditationen, Gebete und Kontemplationen mit der Quelle von "Allem Was Ist" verbinden und fragen, wann ich reif sei, mich von meinem Ego zu befreien, um dem göttlichen Willen dienen zu können. Wann würde ich wissen, wann die richtigen Entscheidungen treffen, um zur Göttlichkeit zu gelangen?

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Meine lieben Freunde, niemals fordert der Große Architekt von uns, in Furcht und Unterwerfung vor ihn hinzutreten. Auf seine Führung dürfen wir auf unserem Lebensweg vertrauen, weil es ist der Weg ist, den wir mit dem ganzen Segen unseres Schöpfers begonnen haben. Vergleicht es mit eurem Kind, das reif genug und bereit ist, in die Welt hinaus zu ziehen. Die geistige Bereitschaft ist keine subtilere Form der Beschränkung, indem ihr blinden Gehorsam leistet. Der Wunsch der Quelle ist es, mit euch zusammen zu wirken. Doch wie ist euch das möglich? Stellt euch vor, ihr habt euch mitten in einem Walde verirrt und ihr erkennt keinen Weg, der euch hinaus aus dem Walde führt. Hoch über euch zieht ein Adler seine Kreise, der so viel Überblick hat, dass er jeden Weg, der aus dem Walde führt, erspähen kann. Ihr jedoch könnt herumirren, so lange ihr wollt. Ihr könnt aber auch den Adler fragen. Niemand wird euch den freien Willen abschlagen, welchen Weg ihr nehmen wollt. Dies soll euch als Gleichnis dafür dienen, euch vertrauensvoll an Mutter/Vater zu wenden, wenn sie euch ihre liebende Hilfe anbieten.

Doch gibt es einen kleinen Vorbehalt. Euer Hohes Selbst aus seiner Zeitlosigkeit und seinem Seelenpunkt aus weiß immer, was für euch das Richtige ist. Oft ist jedoch das, was am besten für euch erscheint, nicht immer das, was ihr erwartet. Ich muss euch heute noch einmal sagen, dass jedes Gebet, das ihr sprecht und jede Bitte, die ihr habt, gehört und erfüllt wird. Doch nur dann, wenn es auch dem Höchsten dient.

Niemals würden liebende Eltern ihrem Kind das Auto überlassen, ohne ihm zuvor zu erklären, wie es damit umzugehen hat. Auch wenn es noch so sehr darum bittet. Wenn es so weit ist, steht auch das Auto bereit.

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Auch ich musste darauf vertrauen, dass der Wille von Vater/Mutter mir kund getan und mich leiten würde, wenn ich voll Demut fragen und in tiefer Kontemplation auf die Antwort meines Herzens hören würde. Denn, meine geliebten Freunde, die Quelle spricht nicht mit dem Verstand zu uns, es ist das Herz, mit dem sie spricht. Und euch, ihr lieben Wissenschaftler und ihr Meister des Geistes, euch versichere ich, dass eure Erfindungen durchaus dem Geist entspringen, doch geboren werden sie in euren Herzen.

Nach meinem Rückzug in die Berge kehrte ich nach Kapernaum zurück, wo ich wieder meinem Beruf als Zimmermann nachging. Dort hörte ich, dass der Freund meiner Kinderjahre dabei war, seinen Auftrag zu erfüllen, denn er lehrte und taufte bereits am Jordan. Schon die Essener vollzogen diesen Taufritus, dessen Bedeutung es war, die Vergangenheit abzuwaschen und das Wasser als Symbol für eine Neugeburt zu betrachten. Johannes predigte voll Leidenschaft und Feuer und seine Worte zogen die Menge voller Begeisterung an. Er lehrte die Menschen, dass es nun an der Zeit sei, sich von allen Sünden zu befreien und sich auf die Ankunft des kommenden Gottessohnes vorzubereiten.

Lasst mich hier eine kurze Erklärung zum Begriff "Sünde" einfügen. "Sündigen" heißt soviel wie "das Ziel verfehlen," mehr nicht. Mit Hölle oder der Verdammnis hat Sünde überhaupt nichts zu tun. Oft spannen wir den Bogen, zielen genau und dann verfehlen wir doch das Ziel. Mit anderen Worten: Nehmt die Tatsache an und wagt einen neuen Versuch. In Dankbarkeit dürfen wir davon ausgehen, dass es keine Begrenzung gibt, wie oft wir den Versuch wiederholen. Fragt einmal einen Bogenschützen, wie er sein Ziel am besten trifft und ihr werdet die Antwort erhalten: "Zielt einfach ein wenig höher."

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Es war an einem Sonntag im Januar, als ich mit meinen Brüdern Johannes und Judas beisammen sass und wusste, dass meine Zeit gekommen sei. Wir wanderten zum Jordan, wo wir uns am folgenden Tag der riesigen Menge anschlossen, die an den Ufern lagerte und den begeisterten Worten von Johannes lauschten. Er sprach davon, dass die Reichen die Armen speisen müssten und dass sich alle Menschen wie Brüder und Schwestern annehmen sollen.

Als er mich in der Menge erblickte, verstummte er. Wir, meine Brüder und ich, lösten uns aus der Menschenmenge und stiegen langsam in die kühlen Fluten des Jordan. Ich bat Johannes, meinen Brüdern und mir die Taufe zu geben. Johannes stand wie erstarrt: "Jesus, Bruder, mein Meister. Ich bin es, der von Dir getauft werden möchte." Worauf ich erwiderte: "Im Hause Gottes sind alle Menschen willkommen, auch Du, Johannes. Niemand steht über dem anderen und auch ich unterwerfe mich dem Willen Gottes."

Muss man getauft sein, um zu Gott zu finden? Die Taufe galt zu dieser Zeit eher als ein Symbol der Reinigung. Doch ist das heute immer noch so? Es ist noch so, wenn sie euch dabei unterstützt, euch mit der göttlichen Natur zu verbinden. Niemand muss an die Taufe oder an mich glauben und tatsächlich zwingt euch niemand, an mich zu glauben.

Setzt euren Glauben in euch selbst und glaubt an euch. So wie ich ein Kind Gottes bin, ist es jeder von euch ebenfalls. Und, meine Lieben, lasst mich das in aller Klarheit sagen: das schließt die Moslems ein, die Hindus, die Juden, die Heiden, die Buddhisten und die Heiligen und genauso die, die voller Hass sind. Ja, selbst die Atheisten schließt das ein, obwohl ich der Meinung bin, dass diese das nicht gerne hören wollen.

Die letzten Worte, die Johannes an die Menge richtete, blieben tief in mir haften. "Heute noch taufe ich mit Wasser. Doch es ist einer unter uns, der mit Feuer taufen wird." Womit er meinte, dass eines Tages eine andere Taufe stattfinden würde. Im Zeitalter der Fische war nun einmal Wasser das geeignete Mittel zur Taufe. Und wenn er von Feuer sprach, meinte er das geistige Feuer, das Symbol für das Zeitalter des Wassermannes.

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In diesem Zeitalter leben wir jetzt und das Feuer brennt bereits in jedem von euch.

Stimmt das? Ja, es ist richtig.

Wird aber auch eine Person kommen, die über dem Leben steht und wird sie euch den Weg zeigen?

Ja, sie kommt. Doch wer wird diese Person sein?

Es wird jeder von euch selbst sein und im Herzen eines jeden von euch wird es ein Erwachen geben. Manche von euch sind jetzt schon so weit, sich diesem Erwachen zu öffnen.

Nennt es den Christus, wenn ihr wollt, doch es bedeutet nichts anderes als der Geist Gottes in jedem von uns, Mann oder Frau. Nennt es den Buddha, das Krishna-Bewusstsein oder nennt es den Großen Geist. Ihr könnt auch Licht dazu sagen oder Liebe, wenn ihr damit besser umgehen könnt. Die Prophezeiungen dafür treffen immer noch zu. Doch ihr, meine Brüder und Schwestern seid die, die darauf warten.

Ich wusste, dass ich Johannes nie mehr begegnen würde. Nachdem ich getauft war, wanderte ich zurück in die Berge, um dort vierzig Tage lang in mich zu gehen. Es war an der Zeit, die nächsten Schritte zu planen. Ich brauchte Zeit, meine Lehren zu verbreiten, denn so viele Menschen warteten auf den Führer, der sie befreien sollte. Auch habe ich erkennen müssen, wie sehr meine Entscheidung, mich nicht den Zeloten anzuschließen, meine Familie und unsere Gemeinschaft gespalten hatte.

In diesen vierzig Tagen wurde ich geprüft, so wir ihr auf eurem Wege auch geprüft werdet. Doch Satan war es nicht, der mich versuchte, nicht als Löwe, Schlange oder als vernichtendes Feuer.

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Ich war beeinflusst von meinem Ego, mir meine mögliche Zukunft zu offenbaren, eine Zukunft, verwüstet von Krankheit und Kriegen, einem Planeten, der in atomarem Feuer verglühte. Und ich hörte Worte, die wie Feuer brannten: "Du hast Deine Aufgabe nicht erfüllt. Niemand hat Dir zugehört. Alle wenden sich ab von Dir. Es war alles umsonst und Dein Tod war ohne Bedeutung." Dann wurde mir gezeigt, auf welche Weise ich einen viel tieferen Eindruck bei den Menschen hinterlassen würde, wenn ich den Titel "Der Messias" annehmen würde. Die Versuchung war groß und ich kämpfte mit meinem Geist, meinem Ego und meinem Herzen. Welchen Weg nur sollte ich gehen? Wessen Wille ist es, dem ich folgen sollte, dem Willen von Vater/Mutter oder meinem eigenen?

Niemals. Ich musste fortfahren, dem Weg zu vertrauen, der mir jeden Tag gezeigt wurde. Ich musste fortfahren, der leisen Stimme meines Herzens zu folgen. Den Menschen musste gestattet sein, das Ergebnis ihrer freien Entscheidungen zu erfahren. Und wenn es ihre Entscheidung sein soll, die Erde zu Asche werden zu lassen, musste auch diese Entscheidung geehrt werden. Und wenn aus der Erde ein Garten des Friedens und der Fülle entstehen sollte, musste auch dies anerkannt werden. "Lasst mich in Frieden," sagte ich den Dämonen meines Egos. "Es ist der Vater, der mich leitet."

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Was ich als erstes tun musste war, all die willkommen zu heißen, die mir folgen wollten, selbst dann, wenn sie zu dieser Zeit noch nicht wissen konnten, wohin der Weg uns führen sollte. Der Erste war Andreas, ein begabter Organisator und Verwalter. Er war es, der für unsere Gesellschaft verantwortlich war. Simon, den ich Petrus nannte, war von Natur aus impulsiv und cholerisch, doch immer war er Optimist. Nathaniel galt als Philosoph, grund anständig und sein Humor kannte keine Grenzen.

Johannes Zebedäus war ständig entrüstet und launisch, in seinem Herzen jedoch steckte der Diplomat. Matthias war bekannt als Steuereintreiber, ein Beruf, der von der Bevölkerung verachtet wurde und auch von einigen aus unserer Gemeinschaft. Doch war er der geborene Zahlmeister, weil auch Apostel etwas zu essen oder ein Dach über dem Kopf brauchen. Auf Johann Zebedäus konnte man sich verlassen, er war mutig und gleichzeitig hingebungsvoll der Sache ergeben, doch sein Ego war nicht zu übersehen. Simon der Zelot begeisterte alle anderen, in seinem Herzen jedoch blieb er ein Zelot. Phillip war Realist und stets neugierig, während Thomas ein Zweifler war und der darum von uns den Namen "Der ungläubige Thomas" erhielt.

Johannes und Judas Alpheus, die Zwillinge, konnte niemand auseinander halten und eigentlich waren sie die Unschuldigsten von allen. Ich will sie anders beschreiben, denn sie waren für mich wie Kinder, die nichts anderes als das Reich Gottes gewinnen wollten. Sie machten mir sehr viel Freude und sie waren besonders gut geeignet, die Menschen für meine Lehren zu begeistern. Auch Judas Ischariot war ein echter Zelot, voller Vorurteile, kritisch zu sich und anderen und er war einer, der sich selbst keine Achtung entgegen bringen konnte.

Warum aber nahm ich einen solch "unguten Kameraden" wie Judas in unsere Gemeinschaft auf? Der Grund war, dass alle willkommen waren, die sich uns anschließen wollten. Niemand ist perfekt und Schwächen haben wir alle und dennoch sind wir alle von gleichem Wert. Der Schöpfer wählt nicht die sichere Seite bei seinen Kindern und ich durfte das genauso wenig. Maria Magdalena von Bethanien z.B., die die Tochter von Lazarus und Martha war. Als ich ihr im Hause von Lazarus zum ersten Mal begegnete, erkannte ich das Feuer, das in ihren Augen brannte. Während Martha die Verantwortung für das Heim übernahm, sass Maria Magdalena an meiner Seite, um meinen Worten zu lauschen. Ihre Fragen waren klar und direkt und ich erkannte in ihr die geborene Lehrerin.

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Wie glücklich war ich, als Maria Magdalena endlich begann, ihre unbezahlbare Arbeit in unserer Mission zu übernehmen und wie traurig machte es mich, dass manche sie als Prostituierte bezeichneten. Es ist ein Märchen der späteren Kirche, dass ich ihr angeblich sieben Teufel ausgetrieben habe, von denen sie besetzt gewesen sein soll. Nein, ich heilte sie von einer ganz gewöhnlichen Krankheit. Bedenkt, dass in diesen Zeiten eine Krankheit oft mit dem Teufel in Verbindung gebracht wurde. So wurde Maria zu meiner rechten Hand und sie war eine Apostelin wie jede und jeder andere unter uns. Nein, sie saß auch nicht zu meinen Füssen, sie stand mir zur Seite. Wir liebten einander sehr, doch aus den Gründen, die ich schon genannt habe, heirateten wir nicht.

Maria Magdalena war eine der fähigsten Lehrerinnen meiner Botschaft, eine entschlossene Bewahrerin meiner Mission. Mein letzter Blick, bevor ich den Kreuzestod starb, galt ihr und mein Tod brach ihr das Herz. Sie war es auch, die reinen Herzens war und der ich nach meiner Auferstehung als erste erschien.

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Bei der Hochzeit zu Kanaa wurde die Tochter einer bekannten Familie getraut und die Mitglieder meiner Familie, ich selbst und die Apostel waren dazu eingeladen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren einige meiner Lehren schon bekannt und Gerüchte meiner Wunder wurden schon verbreitet, doch geschehen waren noch keine. Zur Hochzeit kamen unerwartet viele, die nicht eingeladen waren, doch miterleben wollten, wie ich die Hochzeit zelebrierte. Ja, und dann kam der Augenblick, als meine Mutter feststellte, das der Vorrat an Wein zu Ende ging. So kam sie zu mir mit der Bitte, das Problem zu lösen, weil sie von meinen Fähigkeiten und meiner Kraft überzeugt war.

Wie alle göttlichen Wesen, zu welchen auch ihr gehört, stand ich ständig im Mittelpunkt und ich wurde in diesen Tagen sehr in Anspruch genommen. Wenn es wieder einmal so weit war, dass ich ein Wunder vollbringen sollte, beklagte ich mich bei Maria: "Soll dies meine Aufgabe sein?" Kaum hatte ich das gesagt, bedauerte ich es auch schon, denn ich konnte den Schrecken und die Verletzung in ihren Augen sehen, weil sie aus tiefer Anteil-nahme gewünscht hatte, dass das Problem ganz einfach gelöst werden sollte.

Ich habe es dann auch gelöst, indem ich Wasser zu Wein verwandelte. Doch war ich selbst genauso überrascht wie alle anderen. Im gleichen Augenblick nämlich, als ich meine Gedanken der Lösung des Problems widmete, war es schon geschehen. Die Kräfte, über die ich verfügte, waren stärker als ich vermutete. Hatte ich einen Gedanken, der voller Liebe und Mitgefühl aus tiefem Herzen kam, wurde er augenblicklich manifest, denn es war Gottes Wille, dem ich zu dienen mich verpflichtet hatte. Ich hatte nie die Absicht, meine Kräfte dafür zu nutzen, um über der Menge zu stehen. Meine Absicht war es, die Menschen zu erreichen.

Doch nun war es geschehen und getan und die Kunde davon wurde in alle Welt getragen. Ich beschloss, vorsichtig mit meinen Gedanken umzugehen. Doch wie geschehen Wunder? Wenn sie geschehen, werden die Naturgesetze nicht verletzt, denn im Geist Gottes ist bereits alles enthalten, selbst nur die Wunder. Nichts geschieht, was außerhalb des Schöpfers ist. Betrachtet das Universum wie ein Hologramm, in dem jedes Teil auch die ganze Form enthält, die ganze Information. Jedes Wunder, das geschieht, ist nichts anderes als eine Art Aufruf an die Kräfte, die in der Blaupause enthalten sind. Aus Wasser wird kein Wein, denn da Wein vorhanden ist, ersetzt er lediglich das Wasser. Bei dem in der Tat beeindruckenden Wunder, als ich über das Wasser ging, habe ich nichts anderes als meinen Lichtkörper genützt, um an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Ich weiß, das ihr das nicht glauben wollt, doch es war gewiss nicht anders.

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Lasst mich euch sagen, meine lieben Freunde, dass euch jede Nacht im Schlafe nicht anderes passiert. Es ist wie ein Gedanke, ein Bild, ein Wort, das plötzlich in euch entsteht und so ist es auch in den höheren Ebenen, wo die Materie viel durchlässiger ist. Was ihr dort denkt, manifestiert sich augenblicklich. Dies übrigens ist einer der Gründe, warum die Erde ein Planet der Schulung ist und sich dadurch von den anderen Bewohnern des Universums unterscheidet. Auf der Erde lernt ihr, eure Gedanken unter Kontrolle zu halten und ihr solltet unendlich dankbar dafür sein, dass eure Welt solch eine Dichte hat. Könnt ihr euch vorstellen was passiert, wenn sich jeder Gedanke, der auf der Erde gedacht wird, manifestiert? Wärt ihr in anderen, höheren Dimensionen, würdet ihr nur Mord und Todschlag erzeugen.

Mein erstes öffentliches Auftreten hatte ich in Kapernaum. Der Tempel war überfüllt von Menschen, die von dem Ereignis während der Hochzeit erfahren hatten. Ich wusste, dass sie auf den warteten, der ihrer Meinung nach der Führer einer neuen militärischen oder politischen Revolte gegen Rom sein sollte. Als ich in ihre erwartungsvollen Gesichter blickte, sprach ich jedoch zu ihnen: "Geliebte Brüder und Schwestern, ich bin gekommen, um das Reich Gottes auf Erden zu verkünden. Ein Reich, das Juden und Nichtjuden einigt, das kein arm und kein reich kennt und in dem der Sklave soviel wert ist wie der Herr. Der himmlische Vater kennt keine Unterschiede und alle werden sein Reich erlangen. Doch nicht mit der Gewalt des Schwertes oder durch einen Befehl des Königs. Das himmlische Reich liegt vor euren Füßen, jetzt, und es liegt an euch, es zu erlangen. Dazu bedarf es nichts anderem als eurem Vertrauen, der Liebe zu euch selbst, für euren Nächsten und der Liebe zu Gott."

Ach wie verwirrt sie waren, als ich endete. Was hatte ich gerade gesagt? Was hat er gemeint mit dem Königreich, das vor uns liegt? Und wie sollen wir es sehen? Nur lieben brauchen wir und es ist unser? Ja, liebe ich denn nicht meine Kinder, meine Frau und mein Land und bin dennoch nicht frei?

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"Eine geöffnete Hand verändert nichts, die Faust umso mehr." Habe ich mehr erwartet? Ich habe eine Möglichkeit des Lebens und Denkens offen gelegt, die bisher noch nie erfahren oder gelebt wurde. Das braucht seine Zeit, mehr sogar, als mir noch zur Verfügung stand. Doch auch ich kann nur den Samen legen oder dem Adler vertrauen, der hoch im Himmel schwebt. Was bedeutet Vertrauen denn tatsächlich? Vertrauen ist nicht nur eine Idee, sondern genauso eine Energie mit eigener magnetischer Anziehungskraft. "Handle voll Vertrauen und Dir wird Vertrauen gegeben." Dies ist ein natürliches Gesetz. Vertrauen ist das Gleiche wie der Vorgang des Gebens, damit etwas erhalten werden kann. Wenn ihr an etwas glaubt, auch wenn es noch so unmöglich scheinen mag, zieht ihr es näher zu euch. Glaubt, das ihr vertraut und ihr werdet Vertrauen erhalten und wer vertraut, unterwirft sich einer höheren Weisheit.

Nach diesem öffentlichen Auftritt schickte ich die Apostel auf ihre erste Mission, für die sie selbst die Verantwortung trugen. Ich bat sie, ja ich warnte sie davor, nicht zu predigen, sondern nur eine Führung anzubieten. Ich sagte ihnen, dass wir nicht gegen jemanden sind und damit auch nicht gegen Rom, sondern dass wir für alle da sind. Und sagt ihnen, dass wir, unsere Gemeinschaft, keine politische Bewegung darstellt. Lasst die Worte aus eurem Herzen kommen und sie werden ihren Zweck erfüllen. Ja, und dann sprach ich voller Vertrauen zu ihnen: "Wenn ihr geht, tragt nichts anderes als eure Kleider, die ihr auf dem Leib habt, nehmt nichts zu essen mit, auch kein Wasser und kein Geld. Vertraut eurer liebenden Führung, die weiß, dass ihr in einer Welt lebt, in der Essen, Kleidung und Schutz nicht fehlen darf. Vertraut darin, dass es euch an nichts mangeln wird, genauso wenig wie den Blumen auf dem Felde oder den Vögeln im Himmel.

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Wenn ihr das Vertrauen eines Senfsamens habt, heißt das nicht, dass ihr nur geringes Vertrauen habt. Das Gleichnis bedeutet: habt das Vertrauen einer Eichel, die weiß, dass aus ihr eines Tages eine Eiche werden wird, auch wenn es noch so unmöglich scheint. Es ist das Vertrauen in den Fluss, der euch tragen wird anstatt ständig gegen die Strömung zu schwimmen.

Doch selbst die Quelle achtet euren freien Willen, sie hilft jedoch, eure Wünsche zu erkennen. Ich verspreche, sie wird für euch Sorge tragen, doch nicht so, wie es sich das Ego vorstellt. Es braucht eine Yacht, um dem Sturm zu trotzen oder ein kräftiges Ruderboot. Doch für jemanden, der am Ertrinken ist, spielt es keine Rolle, ob er von einem Ruderboot oder der Queen Mary gerettet wird, beide bringen uns sicher ans Ufer. Es sind nur wir, die bewerten.

Bevor ich die Apostel auf ihre erste Mission schickte, rief ich sie zu mir, um ihnen meinen Segen zu erteilen: "Gesegnet sind die, die arm an weltlichen Werten sind, denn sie werden die ganze Fülle des Reiches von Gott erfahren. Gesegnet sind die, die hungern und dürsten um der Gerechtigkeit willen, denn die Fülle wird die ihre sein. Gesegnet sind die Demütigen, denn sie werden erben, was ihnen die Erde bietet. Gesegnet sind die Reinen im Herzen, denn sie sind eins mit Gott. Gesegnet sind die, die trauern, denn sie werden Trost finden. Gesegnet sind die, die weinen, denn sie werden Freude erlangen.

Gesegnet sind die Barmherzigen, denn sie werden Gnade finden. Gesegnet sind die Friedfertigen, weil sie Kinder Gottes genannt werden. Gesegnet sind die wegen ihrer Gerechtigkeit Verfolgten, denn sie werden in das Königreich des Himmels eingehen. Bekämpft niemals Feuer mit Feuer und übt nie Gewalt nach Art von Zahn um Zahn. Wenn jemand Dich auf die eine Wange schlägt, halte ihm die andere hin. Lasst euch eher Unrecht widerfahren als dass ihr die Quelle von Unrecht seid. Seid freundlich und barmherzig zu jenen, die in Not und Mangel leben. Liebt eure Feinde und urteilt nicht, so ihr nicht beurteilt werdet werden wollt. Auch warne ich euch davor, falschen Propheten euer Ohr zu schenken, denn sie kommen als Wölfe im Schafspelz. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Ihr seid die Kinder Gottes."

Ende Teil 4

Mit freundlicher Genehmigung von Bradley Smith
Übersetzung Till Abele

 
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© 2003-04 Hanjo Grüßner