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Till Abele
Lenzweg 5
79312 Emmendingen

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Unsere Erde

Yeshua

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Nichts, was aus Gott geboren ist, ist unheilig oder eine Beleidigung Gottes, denn die Quelle ist alles und nichts geschieht ohne den Willen Gottes.

Lasst mich nun von meinen wundervollen Eltern hier auf Erden, von Maria und Josef, berichten. Was mein Vater Josef betrifft, stammt er nicht, wie so oft angedeutet, in direkter Linie aus dem Hause David. Einer seiner Vorfahren war ein Waisenkind, das von einem anderen Vorfahren meines Vaters adoptiert wurde. Es war er, der ein direkter Nachkomme aus dem Hause David war. Meine Mutter Maria entstammte einer Linie ausgesprochen starker Frauen. Beide genossen sie eine für die damalige Zeit sehr gute Erziehung. Meine Mutter war eine talentierte Weberin und mein Vater natürlich ein wundervoller Zimmermann. Und noch etwas: beide meiner Eltern waren Anhänger der Essener, einem strengen Orden ganz in der Nähe unserer Heimat, der nach innerer und höherer Wahrheit strebte und den größten Teil ihrer Ausbildung erhielten sie in dieser Gemeinschaft.

Als sie sich zum ersten Mal begegneten, war Josef bei dem Vater von Maria beschäftigt. Seine Werkbank hatte er in den Schatten eines Olivenbaumes gestellt und er war durstig von der schweren Arbeit. Sie nahm gerade einen Krug vom Brunnen, trug ihn vorsichtig, um nichts zu verschütten, zu Josef und reichte ihm diesen, wobei sie die Augen niederschlug, wie es damals Sitte war. Doch nur beim ersten Mal. Je weiter der Tag fortschritt und je mehr Wasserkrüge angeboten wurden, berührten sich Finger, Blicke hoben sich und Lächeln kleine wurden getauscht. Den oder die Geliebte im anderen erkennen und Herzklopfen bekommen, ist einer der höchsten Segen unserer Schöpfung, ein Segen, der in allen Universen zu Hause ist.

Nach den vorgeschriebenen zwei Jahren Brautwerbung durften sie endlich heiraten, nach jüdischem Brauch dort, wo die Braut beheimatet war, in Nazareth. Josef baute für sie ein kleines Haus mit nur einem Raum und spärlichen Möbeln. Doch es lag in halber Höhe eines Hügels, von wo sie einen wunderschönen Ausblick auf das vor ihnen liegende Tal hatten. Hinter dem Haus befand sich ein Speicher, ein Herd und der Bereich, wo die Tiere Schutz fanden.

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Täglich vor Sonnenaufgang war ich auf den Beinen, um auf die Spitze des Hügels zu steigen. Dort wartete ich, bis die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont blitzten, um das Tal unter mir in weißes und goldenes Licht zu tauchen. Schon in diesem Alter fühlte ich eine tiefe Dankbarkeit für die Schönheit und Erhabenheit, aber auch für die Vollkommenheit des Lebens. Nach einem letzten Blick in die aufgehende Sonne stieg ich hinab, um meine tägliche Arbeit zu verrichten, die Tiere zu füttern und den Stall zu reinigen, Getreide zu speichern und zu putzen. Immer wieder putzen. Dennoch liebte ich meine Arbeit, es war schön zu leben, einen Körper zu haben, der arbeiten konnte und Gefühle, die das Leben umarmten.

Es war im März des Jahres meiner Geburt, als Cäsar Augustus den Befehl erließ, dass alle Bewohner Judäas gezählt werden mussten, damit alle ihre Steuern entrichten sollten. Auch damals schon war es nicht ungewöhnlich, dass ein junges Ehepaar über nicht allzu viel Geld verfügte und weil meine Eltern nur einen einzigen Esel besaßen, reisten sie so nach Bethlehem. Ihr kennt bestimmt die Geschichte von zahlreichen Bildern und Künstlern, die dieses Ereignis aufgegriffen haben. Josef führte den Esel und Maria, die mit mir schwanger ging, saß auf dem Rücken des Tieres. Die Reise war beschwerlich, es war heiß und staubig. denn Hunderte von Menschen befanden sich mit ihnen unterwegs nach Bethlehem. Es stimmt, dass alle Herbergen in dort besetzt waren und es stimmt auch, dass sie Herberge in einer Krippe fanden, doch Futterkrippen kann man mit einem Stall nicht vergleichen. Weil das Vieh ein wertvoller Besitz war, wurden diese Krippen sauber gehalten und deshalb oft von Reisenden benutzt, um dort zu übernachten.

Ich wurde im "oberen Teil" solch einer Futterkrippe geboren, der einem Gasthaus ähnlich war und um uns lagerten viele Pilger, die müde von der Reise waren. So darf ich sagen, dass meine Geburt ein wundervolles Zeichen dafür war, dass große Ereignisse selbst aus den einfachsten Umständen entstehen können. Ich wurde um zwölf Uhr mittags geboren, ganz normal wie alle von euch, aus einer kräftigen Mutter, der einige Frauen beistanden, die mit auf der Reise waren und in der Krippe wohnten.

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König Herodes war ein ganz typischer Herrscher der damaligen Zeit, der unbedingt an der Macht bleiben wollte. Auch heute ist das nicht ungewöhnlich. Er kannte die astrologischen Voraussagen von meiner Geburt und er wusste von der Ansicht der Juden, dass ein Messias geboren werden würde, der sie von dem Joch der Unterdrückung befreien würde. Herodes nahm das sehr ernst und als er auch noch von der Ankunft der drei Magier erfuhr, wusste er, dass dieses Ereignis stattgefunden haben musste.

Nachdem die Weisen diese seltene Planetenkonstellation errechnet hatten, machten sie sich auf den Weg nach Bethlehem. Sie reisten ein ganzes Jahr und als sie ankamen, erschien ihnen ein Engel, der ihnen verkündete, dass König Herodes den Messias töten lassen wollte. Auf ihren Rat und mit dem Gold, das sie mir schenkten, flohen meine Eltern mit mir nach Aegypten, wo uns die Schergen Herodes' nicht erreichen konnten. Um seinen Plan dennoch zu erfüllen, befahl er, dass alle Knaben im Alter bis zu zwei Jahren und die in Bethlehem zur Welt kamen, umgebracht werden sollten. Es war eine grausame, zynische politische Entscheidung, die er getroffen hatte.

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"Doch die Magier wurden von einem Engel gewarnt...." Ich bin dieser Gefahr gerade noch einmal entkommen. Oh ja, meine geliebten Freunde, Engel gibt es, doch tragen sie Flügel und ein weißes Gewand? Warum nicht, wenn euch das so gefällt? Und, sind Engel männlich oder weiblich? Sie sind weder das eine noch das andere, denn die Reiche der Engel befinden sich auf einer anderen Dimension der Schöpfung. Sie sind die Archetypen des intelligenten energetischen Ausdrucks des Göttliches Bewusstsein.

Es gibt Engel der Weisheit, des Friedens, der Barmherzigkeit, des Wissens, des Vertrauens und so viele mehr. Doch über ihnen liegt das Reich der Erzengel, die die erste individuelle Erweiterung des göttlichen Schöpfer-Bewusstseins sind. Es sind keine greif-baren Wesen, auch wenn sie allen Wesen unendliche Liebe und Hingabe erweisen. Sie dienen der göttlichen Quelle, doch manches Mal auch euch. Dass jeden von euch ein Schutzegel begleitet, brauche ich nicht sagen. Er begleitet euch seit der Zeit, als ihr euch von der Quelle getrennt habt. Und dann werdet ihr noch von Elfen und Feen unterstützt, die mehr körperlich aussehen.

Ich bin sicher, dass einige von euch eine Begegnung mit diesen wundervollen Wesen gehabt haben, auch wenn sie es nicht zugeben möchten. Wie ihr wisst, ist nichts daran falsch und die überlieferte Weisheit, die da heißt: "wie unten, so oben," ist ein kosmisches Gesetz. Denkt darüber nach und ihr werdet tiefe Erkenntnisse von der Natur des Universums erhalten.

Maria und Josef also brachten mich, wie es ihnen aufgetragen ward, nach Alexandria und nur wenige wussten um unser Geheimnis. Als uns zwei Jahre später die Nachricht vom Tod des Königs Herodes erreichte, schifften wir uns ein nach Joppa, von wo wir nach Nazareth zurück kehrten. Ich war gerade drei Jahre alt, als wir in unserem Hause in Nazareth ankamen und feststellen mussten, dass ein Verwandter meines Vaters unser Haus für sich in Anspruch genommen hatte. Dennoch führten wir miteinander ein glückliches und zufriedenes Leben und Vater konnte wieder als Zimmermann arbeiten.

Nazareth lag ziemlich abseits im Hinterland. Mit der Zeit bekam ich den - unverdienten - Ruf, eine Art Nichtsnutz zu sein, dessen Zeitvertreib die Langeweile war. Doch nichts dergleichen. Es ist ein Geschenk der Kindheit, dass ein kleiner Stein in der Hand eines Kindes eine Waffe darstellt, die einen Riesen in die Knie zwingen kann. Und ein einsam lebender Nachbar wird zum ehemaligen König von Persien. Aus Bewässerungsgräben werden reißende Flüsse und eine Reihe von Felsbrocken können ganze Festungen werden. Und dann die Gerüche und die Farben! Geöffnete Granatäpfel, die in der Mittagssonne duften, wie Scharlach rot und saftig! Glänzend braune Datteln, klebrig und süß. Dazu Jasmin und Cumin und goldener Honig. Ölige und scharf schmeckende Oliven und dazu alten, rubinroten Wein.

Und dann die Menschen und deren Gesichter! Nazareth war ein Ort, an dem verschiedene Wege vorbeiführten und täglich zogen Fremde aus allen Teilen der Erde vorbei. Sie führten prachtvolle Tiere mit sich und ihre Gewänder schillerten in allen Farben. Die Gewürze, mit denen sie handelten, rochen nach allen Düften des Orients. Römer, Griechen, Händler aus Syrien und Phoenizien, wir hörten alle Sprachen und alle Akzente und lautes Lachen oder scharfe Worte lösten sich ab. Ach ja, auch diese Märchen, diese Erzählungen! Ist es für ein unschuldiges Kind von Bedeutung, ob die Sagen von fernen Schlachten oder grausamen Ungeheuern oder den Wracks gestrandeter Schiffe der Wahrheit entsprachen oder nicht?

Ach Nazareth, mein geliebtes Nazareth! Für mich war es der Nabel der Welt.

Was lernte ich nicht alles für Weisheiten und Schicksale von den Menschen, die die Karawanen führten, von den unzähligen Wegen der menschlichen Familie, die das tiefe Bedürfnis hat, sich mit etwas zu verbinden, das mächtiger war als sie selbst! Faszination pur die Intrigen, nervend und gleichzeitig erregend, doch jede voller Ernsthaftigkeit.

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Ich war das, was ihr heute als frühreif bezeichnen würdet. Andauernd stellte ich Fragen und mein Durst nach Wissen ging tiefer als die Wurzeln der Palmen, die im Wüstensand nach Wasser suchten. Ich sprach mit Männern und Frauen aller Hautfarben und Konfessionen und all das erweckte in mir eine unersättliche Neugier, sodass ich immer pünktlich zu Stelle war, wenn eine neue Karawane die Straße entlang zog, damit ich meinen Wissensdurst stillen konnte.

Dennoch unterschied sich meine Kindheit kaum von der meiner Freunde und genauso wie alle von euch hatte auch ich Kameraden. Auch wir spielten Verstecken, waren laut und schürften uns die Knie auf und auch wir ärgerten die Alten wie alle Kinder es tun. Vielleicht war ich nur ein wenig ernsthafter oder gewissenhafter, doch deshalb gab ich meine jugendlichen Kameraden nicht auf.

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In keinem Evangelium und keiner Überlieferung wird berichtet, dass ich Geschwister hatte und dass ich der älteste von acht Kindern war. Zu meiner Zeit waren die Familien zahlreich, denn nur so war ihr Überleben gesichert. Mein Bruder Johannes wurde im April des Jahres geboren, als ich vier Jahre alt wurde und Miriam, als ich fünf Jahre alt war. Im April meines siebenten Jahres kam Simon, dann Martha und im Juni des nächsten Jahres kam Judas zur Welt. Gefolgt von Amos zwei Jahre später. Und schließlich im Jahr, das eines der traurigsten meiner Jungend werden sollte, wurde Ruth geboren.

Es war Brauch, dass die Mütter bis zum sechsten Lebensjahr für die Erziehung der Kinder verantwortlich waren, um sie anschließend in die Obhut der Väter zu übergeben. Sehr schnell lernte ich Aramäisch, hebräisch und griechisch und ich besuchte eine Schule ganz in der Nähe unserer Synagoge. Auch das war Brauch, dass der erstgeborene Sohn etwas lernen musste, um später die Autorität in der Familie zu übernehmen.

Zu dieser Zeit begegnete ich zum ersten Mal Johannes, der später der "Johannes Täufer" genannt wurde und dieses Ereignis war für meine weitere Zukunft wegweisend. Unsere erste Begegnung fand nicht, wie überliefert, am Jordan statt. Wir kannten uns seit unserer Kindheit.

Meine Mutter entstammte einer sehr großen Familie, der auch die Eltern von Johannes, Zacharias und Elisabeth, angehörten und zudem war der Vater von Johannes jüdischer Priester. Irgendwann soll den Eltern von Johannes ein Engel erschienen sein, der ihnen sagte, dass Johannes eine neue Glaubensrichtung verkünden würde und dass er den Weg für jenen vorbereiten würde, der noch kommen sollte. Als wir uns begegneten, war ich gerade fünf Jahre alt. Zwischen uns entstand eine tiefe Freundschaft und wir ahnten nicht, was uns die Zukunft bringen würde, als sich unsere Wege wieder trennten.

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In den folgenden Jahren passierte nicht viel. Mein Vater arbeitete in Kanaan, Bethlehem, Sepphoris oder Kapernaum und wir sahen ihn selten. Als mein Bruder Johannes alt genug war, um unserer Mutter zu helfen, begleitete ich meinen Vater und erfuhr mehr über die Welt ausserhalb unserer kleinen Gemeinschaft. Mein Vater lehrte mich das Handwerk eines Zimmermannes und ich freute mich daran, dem unbehandelten Holz neue Formen geben.

Mit sieben Jahren kam ich in die normale Schule in Nazareth, wo ich schreiben und lesen lernte und natürlich auch Hebräisch. Ein Jahr glich dem anderen, es gab gute Zeiten und weniger gute. Wir spielten zusammen und ich wurde, wie jedes Kind früher oder später auch, mit anderen Kindern konfrontiert, die keinerlei Selbstliebe kannten, wenn sie ohne ein Elternhaus aufwachsen mussten. Instinktiv wusste ich, dass diese Kinder mir nicht weh tun wollten, doch aufgrund ihrer traurigen und viel zu früh verlorenen Kindheit hatten sie keine andere Wahl. Umso mehr liebte ich sie und je mehr ich mich um ihre destruktiven Energien kümmerte, umso schlimmer wurde es. Versucht nie, mit der Wut eines anderen fertig zu werden, beachtet sie nicht, denn es ist eine Energie, die wir mit unserer Handlung nur noch verstärken. Geben wir dieser Wut keine Nahrung, geht sie von selbst, genauso, wie wenn man einen Stecker aus der Steckdose zieht. Wenn ihr die Wut bekämpft, wird sie nur noch schlimmer. Atmet einige Male tief ein und aus und lasst sie gehen.

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Nach getaner Arbeit zog es mich zu den Fischern. Begeistert eilte ich an das Ufer des Sees und wir fuhren mit den Booten hinaus auf das ruhige Wasser, in dem sich die Sonne spiegelte. Fische sprangen in die Luft, um nach Insekten zu schnappen. Wir warfen unsere Netze und zogen sie voll zappelnder Fische langsam wieder ein. Die Fischer mit ihren weißen Backenbärten freuten sich und lachten mich an mit zahnlosen Mündern und dennoch waren sie stark und gesund, auch wenn die Sonne vom Himmel stach. Sie schlugen mir auf die Schulter und sie sangen die Lieder, die nur Fischer singen und ich, ja ich war einfach nur selig.

Ich lernte auch, wie man Harfe spielt und Tanzen lernte ich auf den Festen im Dorf, von denen es einige gab. Wie konnte nur der Eindruck entstehen, dass ich solch ein fast sturer, ja in sich gekehrter Mann gewesen sei? "Der Leidende oder der Kummervolle?" Ich sage euch eines, meine Brüder und Schwestern, Tanzen war eine Lieblings-beschäftigung von mir. Ich sang mit Begeisterung und es gab für mich nichts schöneres als Fischen und Schwimmen zu gehen und mit meinen Kameraden zu spielen. Wir stiegen auf die Berge und badeten in den Bächen und, meine lieben Freunde, ich liebte das Leben.

Jeder Tag war ein ganz neuer Tag, doch hat mich das zu etwas besonderem gemacht? Kann nicht jeder von uns für sich entscheiden, das Leben zu lieben, zu lachen und sich wie Kinder zu benehmen? Wer hindert uns daran, das Leben in seinen vollen Zügen zu genießen? Unser Arbeitgeber oder unsere Ehegatten, die Kinder oder die Gesetze?

Meine Brüder und Schwestern, lasst mich euch in tiefer Liebe sagen, das nur wir selbst es sind, die uns davon abhalten, glücklich zu sein. Wir entscheiden und wir entscheiden jeden Moment, ob wir lachen oder nicht. Ja, lachen, tanzen, spielen und singen, uns gegenseitig necken, hingebungsvoll lieben und die Freude einzuatmen genauso wie die Herausforderungen des Lebens. Ich sage euch wahrlich, dass nicht der Himmel auf euch wartet, wenn ihr sterbt. Der Himmel ist hier, hier auf dieser Erde und das Einzige, was ihr zu tun habt ist, hinzusehen und ihr werdet ihn finden.

Und dann war er da, mein dreizehnter Geburtstag. Es fällt mir schwer, ja fast habe ich Angst davor, euch nur in etwa das zu schildern, was einem Jungen dieses Alters und jüdischen Glaubens widerfährt und ganz besonders zu meiner Zeit. Es war der Tag, an dem ich zum Manne werden sollte und es war der Tag, der mein Leben veränderte. Vergleicht es mit dem Tag, an dem ein Familienmitglied der Führerschein erhalten hat und zum ersten Mal das Familienauto fahren darf.

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Am wichtigsten war mir, dass ich endlich am Passah Fest in Jerusalem teilnehmen durfte und dass ich mit den Männern im Tempel sitzen würde, um die heiligen Texte zu hören. Und so begaben wir uns auf die viertätige Reise, zusammen mit vielen Pilgern, die den Weg nach Osten nahmen. Fast war es wie die erste Teilnahme an der Parade eines Umzugs, so voller Freude, Farben, Gerüchen und Erwartung war diese Reise. Dennoch war es eine Pilgerfahrt zum Mittelpunkt unseres Glaubens und je näher wir kamen, umso stärker legten sich die kommenden Ereignisse, fast wie Gewichte, auf mein Herz. Mein junger und unschuldiger Geist kreiste nur noch um das, was ich mir am Ende der Reise vorstellte: Goldene Tempel auf grünen Hügeln, die im blauen Himmel im Sonnenlicht glänzten.

Was ich vorfand, brach mir das Herz. Das bedrückende Gewühl von Menschen, das Feilschen auf den Straßen, die Luft schwer von Gerüchen und Räucherwerk. Und das Blut, das Schlachten unschuldiger Tiere. Jede Familie feierte das Schlachten eines Lammes als Blutopfer für unseren Gott Jehova. Wie ganz selbstverständlich musste jede Familie das Lamm von den Priestern kaufen, die einem Metzger ähnlicher waren als einem Priester, wie sie so in ihren blutgetränkten Roben vor uns standen. Der Boden der Tempel, die Treppen und Flure, alles war getränkt von Blut. Und dann das gequälte Schreien der Tiere, die Hitze, die Fliegen und der Gestank von Verwesung.

Meine lieben Brüder und Schwestern, sicher könnt ihr verstehen, dass kein Vater und keine Mutter jemals von uns solch eine barbarische Handlung verlangen würde. Die Quelle, die ich kenne, feiert das Leben, sie atmet es, sie fordert keine Strafe und auch kein Opfer. All das sind Vorstellungen von Menschen, die in Furcht leben. Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass euch ein liebender Schöpfer erschaffen hat und dass ihr in einem Universum voller Liebe lebt. Ihr seid umgeben von einer Liebe, die ihr euch auf dem Planeten Erde überhaupt nicht vorstellen könnt, weil ihr sie nicht erkennen könnt. Und dennoch ist sie da, in euch und um euch, jetzt, immer und ewig.

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Schockiert und abgestoßen von der Brutalität und Gier dieser Menschenmenge verließ ich meine Eltern, um nach der wahren Bedeutung des Passah-Festes zu suchen. Ich überließ die Führung meinem Herzen und fand ich mich in einem der inneren Räume des Tempels wieder, einem kleinen und fast unbekannten Treffpunkt von kabbalistischem Wissen. Hier, in der Gegenwart dieser gelehrten Männern durfte mein bedrücktes Herz zu neuem Leben erwachen.

Es waren Mystiker, Rabbis, die aus den Rollen der Tora lasen und aus der Kabbala, einer Art Verhaltenskodex unseres Volkes, die eine wundervolle Hilfe zur Hinführung unseres inneren Bewusstseins ist. Vergleicht sie mit dem Programm eines Computers, wenn ihr es so sehen wollt, weil unzählige Schichten und Ebenen durch Symbole und Andeutungen in ihr versteckt sind.

Achtet auf die Kraft der Worte, meine Freunde und ich meine das im wahren Sinne des Wortes. "Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott." Doch was meine ich damit? Mit Worten und Symbolen vermag man die Energie des Universums zu sich heranziehen, um Wünsche in die Materie zu bringen. Aus diesem Grund sind Gebete auch so machtvoll, weil wir die feinstofflichen Atome und Teilchen regelrecht zu uns heranziehen, wenn die Gebete aus dem Herzen kommen. Worte, Symbole und Zahlen können, wenn sie miteinander verschmelzen, Gedanken in die Form bringen und zur Realität werden lassen. Doch der Schlüssel dazu ist die Emotion. Sprecht ihr ein Gebet ohne jegliche Überzeugung, kann es nicht einmal eine Mücke beeinflussen, wenn es über eure Lippen kommt.

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Wenn ihr jedoch etwas mit einer Absicht verbindet, mit der Seele und mit tiefer Liebe, zieht ihr sogar das ganze Sonnensystem näher zu euch heran. Seid ihr voll Wut, holt ihr die ganze Wut-Energie zu euch, doch sprecht ihr etwas voller Liebe aus, kommt diese Liebesenergie zu euch. Liebe ist das Bindemittel im Universum, sie ist der ganz natürliche Klebstoff. während Angst, Wut und Hass abstößt. Krieg und Kriminalität sind nichts anderes als physische Manifestationen in der Materie, die trennt. Wenn ihr glaubt, dass die Materie das Produkt eurer Hände ist, stimmt das nicht. Ich sage euch, dass es die Gedanken sind und die Worte, die die Materie erschaffen. Der Hände Arbeit folgt lediglich den Gedanken.

Worte, Zahlen und Symbole sind nichts anderes als Ausdrücke der Gedanken von uns Menschen und genau so, wie Worte Schwingung erzeugen, ist es mit den Gedanken. Da sich gleiche Vibrationen anziehen, kann bereits dadurch Materie entstehen. Wenn ihr Liebe denkt, Liebe fühlt und Liebe aussprecht, bekommt ihr sie, auch wenn es noch so unmöglich erscheinen mag. Denkt, fühlt und sprecht voller Angst und Hass, so werdet ihr nichts anderes ernten als Hass und Furcht.

Als ich in den inneren Tempeln weilte, war ich in meinem Element. Die Rabbis sprachen über den Geist Gottes so voller Feuer und Begeisterung, dass mein Herz vor Freude lachte. So dauerte es auch nicht lange, bis ich mich in ihre Dialoge einmischte, was anfangs Zweifel, ja fast Empörung auslöste. Wer ist dieses Kind, das so viel zu wissen scheint und das doch so geschickt und zwingend zu argumentieren weiß?

"Ich bin frühreif," sagte ich zu ihnen, weil mir nichts anderes einfallen wollte und es dauerte nicht lange, da umarmten sie mich und meine Ideen voller Respekt. Wie ich diese Tage doch liebte.

Wo jedoch befanden sich meine Eltern, während ich mich so einsetzte? Sicher suchten sie mich, wie Eltern ihre Kinder suchen. Für mich war es leichter als für sie und ich machte mir keine Gedanken. Gewiss war es nicht meine Absicht, meinen Eltern ein weh zu tun, doch in einer Weise, die nur ich alleine verstand, habe ich mit dem Erreichen meines Mannesalters mein Elternhaus so gut wie verlassen. Heute tut es mir leid, dass ich ihnen auf diese Weise Schmerzen zugefügt habe, doch irgendwann müssen alle Eltern jeden Alters ähnliche Erfahrungen machen.

Schließlich fanden sie mich, weil sie die Rabbis nach mir fragten und ihre Sorge linderte sich, weil ich mich in guter Obhut befand. Auf ihre Vorwürfe, wo ich mich denn so lange aufgehalten hätte, antwortete ich ihnen zwar ehrlich, doch vielleicht nicht ganz angemessen. "Glaubt mir, dass ich lieber in meines Vaters Hause wohne als bei meines Vaters Geschäften!" Ich sagte das so ruhig wie möglich und mit einer Sicherheit, dass meine Eltern ahnten, dass unsere gemeinsame Zeit miteinander bald zu Ende gehen würde.

Das Leben fühlte sich gut an und wir waren eine glückliche Familie, wir halfen uns gegenseitig und wir liebten uns. Doch für jeden von uns schlägt das Pendel hin und her und jedem Ausschlag folgt eine Rückkehr. So folgt in der Welt der Dualität auf Freude das Leid und auf Leid die Freude, selbst ich war nicht immun dagegen.

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Eines Tages erhielten wir die Nachricht, dass es in Sepphoris einen Unfall gegeben habe, bei dem mein Vater ernsthaft verletzt wurde. In meiner Verzweiflung wollte ich sofort zu ihm, doch meine Mutter, die im zweiten Monat schwanger war mit Ruth, meinte, ich solle mich um die Familie kümmern, während sie mit Johannes nach Sepphoris ging. Voll Hoffnung erreichten sie Sepphoris um zu erfahren, dass mein Vater seinen schweren Verletzungen erlegen war, sodass sie nur noch seinen toten Körper nach Nazareth bringen konnten, wo wir ihn beerdigten.

Mein Vater Josef war ein Segen für die Menschen und für mich und mein Leben. Er war ein gerechter Vater und ein liebender Ehemann, ein ehrenhafter Geschäftsmann und ein begabter Handwerker. Er erzog uns und die Gemeinschaft im Glauben an Gott und ich liebte ihn innig. Genauso sehr vermisste ich ihn.

Als meine jüngste Schwester Ruth zur Welt kam und als Klein-Amos kurz darauf an Fieber starb, rückten wir noch enger zusammen. Das Leben ging weiter.

Ende Teil 2

Mit freundlicher Genehmigung von Bradley Smith
Übersetzung Till Abele

 
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© 2003-04 Hanjo Grüßner